Aufgaben und Funktion des
Kantonalen Krebsregisters Graubünden und Glarus
Das Kantonale Krebsregister
Graubünden wurde 1989 ins Leben gerufen. Seither konnten die Krebserkrankungen
in allen Regionen des Kantons GR registriert werden. Die erfassten Daten wurden
regelmässig zuhanden des VSKR (Vereinigung Schweiz. Krebsregister) gepoolt und statistisch ausgewertet. Von Beginn
an dienten die Daten als Basis für wissenschaftliche Arbeiten und konnten in
internationale Studien einfliessen.
Seit dem 1. Januar 2006 verfügt
das Kantonale Register über eine Leistungsvereinbarung mit dem Ziel lokale
Daten aufzubereiten und den Gesundheitsdiensten des Kantones im Sinne eines
Rechenschaftsberichtes sowie als Grundlage für mögliche präventivmedizinische
Massnahmen zur Verfügung zu stellen sowie auch dem interssierten Publikum als
Informationsportal zugänglich zu machen.
Die Datenerfassung und Datenverwaltung
innerhalb eines Krebsregisters hat insbesondere soziale Bedeutung für die
Krebsprävention und Gesundheitspromotion, und entspricht einer Basis für die
Präventivmedizin und beinhaltet als strategisches Ziel die öffentliche
Gesundheit.
Es ist Aufgabe des Kantonalen Krebsregisters Daten bzw.
Resultate zu erfassen und zu Handen der VSKR (Vereinigung Schweiz. Krebsregister),
der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und der IARC (Int. Agency for Research on
Cancer) zur Verfügung zu stellen. Die im Kanton Graubünden (Gebirgskanton)
gesammelten Daten sind ausserdem für die IBCSG (International Breast Cancer
Studie Group), SIAK (Institut suisse de la recherche appliquée sur le cancer)
sowie für die UICC (Union against Cancer) von Bedeutung.
Das Bündner Krebsregister ist als Teil des
Gesamtnetzwerkes der VSKR (Vereinigung Schweizer Krebsregister) zu sehen,
deren Ziel es ist, gemeinsame Auswertungsstrategien zu entwickeln und eine
Datenharmonisierung zu erreichen. Die im Kanton Graubünden erfassten Daten
sind darüberhinaus für die bundesweite Evaluation von Migrationsstatistiken von
Bedeutung. Die zentrale Verwaltung der Daten, die in den kantonalen
Krebsregistern erfasst werden, obliegt der VSKR.
Die Erfassung der Daten muss losgelöst von anderen spitalinternen
Kodierungs- und Registrierungsmedien bleiben, da ca. 20% der Daten bzw.
Neuerfassungen von Krebserkrankungen anhand von externen Mitteilungen bzw.
Datenblättern erfolgen. In allen Spitälern werden regelmässig Krankengeschichten
durchgemustert und fehlende Registerdaten nachgetragen. Erstdiagnosen maligner
Tumoren werden teilweise ausserkantonal gestellt; auch diese Daten müssen für
in Graubünden ansässige Personen registriert werden. Es besteht ein
regelmässiger Datenaustausch zwischen den Schweizer Krebsregister (Fr,
SG/AI/AR, BS/BL, GR/GL, ZH, GE, VD, NE, VS, TI) - aber auch international. Eine
alleinige Registrierung gemäss ICD10-Kodierung (Internationale statistische
Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) ist nicht
ausreichend und macht ein regelmässiges angleichen des Codes nach den
Richtlinien der Int. Classification of Diseases for Oncology (ICD-3, WHO)
erforderlich.
Zu den grundsätzlichen Aufgaben eines Krebsregisters gehören:
1. Erfassung neu aufgetretener Krebserkrankungen in einer genau
definierten Bevölkerung; Erfassung gemäss internat. Richtlinien (IARC).
Die Daten der Register werden z.B. alle 5 Jahre im "Cancer Incidence in
five Continents" publiziert (IARC).
2. Die Epidemiologie beschäftigt sich mit Ereignissen innerhalb einer
Population, d.h. mit Gruppen und nicht mir einzelnen Individuen.
3. Neben der Analyse einer Krebsbelastung innerhalb einer Population
sind Registerdaten wichtig zur Suche nach Ansatzpunkten zur Verhinderung von
Krebserkrankungen, -entstehung und -progression.
4. Registerdaten helfen das Verständnis über die Ursache einer
Krebserkrankung zu vertiefen.
5. Risikoabschätzungen können anhand von Registerdaten evaluiert
werden; Definition von Risikogruppen. Abschätzungen von Krankheitsfrequenzen
innerhalb einer Zeitspanne unter/ohne Berücksichtigung topographischer
Besonderheiten.
6. Migrationsstatistiken aufgrund von Registerdaten zur Verifizierung
der Krebsbelastung vor/nach Wohnortwechsel.
7. Die Daten helfen allgemeine Determinanten von Krebserkrankungen, wie
sie sich biologisch und genetisch entwickeln, besser zu verstehen; so dass das
regionale Wissen und das Verständnis der regional relevanten Krebserkrankungen
vertieft werden kann.
8. Basis für die Präventivmedizin mit dem strategischen Ziel
"öffentliche Gesundheit".
9. Mortalitätsstatistiken können mit klinischen Daten korreliert
werden; Evaluation von Screeninguntersuchungen zur Krebsfrüherkennung: senken
die Zahl der Untersuchungen, z.B. die Ereignisse fortgeschrittener
Brustkrebserkrankungen und können damit möglicherweise krebsbedingte Todesfälle
reduzieren Wie viele Darmkrebserkrankungen werden mit dem Haemokkult-Test
erkannt? Diese und viele andere Fragen können anhand von Registerdaten einfach
beantwortet werden.
10. Zukünftig können auch molekularbiologische Profile anhand von
grösseren repräsentativen Bevölkerungsgruppen studiert werden.
11. Kumulative Krebsdiagnose-Inzidenzen können über mehrere Jahre mit
Infektion/Epidemien in Bezug gebracht werden.
12. Umfassende klinische Studien sind auf Registerdaten angewiesen.
Das Kantonale Krebsregister verfügt über eine Bewilligung der
Eidgenössischen Expertenkommission für das Berufsgeheimniss in der
Medizinischen Forschung, und ist somit legitimiert, entsprechende Daten
entgegenzunehmen. Diese werden durch Zugangsberechtigungen datenschutz-gerecht
gesichert.
Ziele:
Im Hinblick auf eine mögliche Evaluation
von präventiven Massnahmen ist die Erkennung und das Erfassen der Epidemiologie von Krebserkrankungen - insbesondere auch unter
Berücksichtigung regionaler Besonderheiten - von ausserordentlicher
Wichtigkeit, damit das Interesse der Bevölkerung des Kantons gewahrt werden
kann.
Um mehr über Krebserkrankungen erfahren zu können und die
Dimension, was Krebserkrankungen sind, wie sie biologisch und genetisch sich
entwickeln ("das wer, wann und wo" von Krebserkrankungen;
deskriptive Epidemiologie) und um allgemeine Determinanten von
Krebserkrankungen zu verstehen, muss ein Krebsregister kantonal in adäquater
Weise geführt werden können, um unser regionales Wissen um Krebserkrankungen
und auch unser Verständnis der hier relevanten Krebserkrankungen auszubauen
und im Kontext mit bundesweiten Gegebenheiten, aber auch auf internationaler
Ebene zu evaluieren und zu harmonisieren.
Von fundamentalem Interesse der Krebs-Epidemiologie sind
Häufigkeit und Verteilung von verschiedenen Krebserkrankungen innerhalb der
Population, die Klassifikation der Krebserkrankungen, Biologie von normalen
Krebszellen sowie Evaluation und Würdigung experimenteller Daten um die
Ätiologie von verschiedenen Krebserkrankungen zu determinieren. Dies auch im
Hinblick auf die zukünftige expandierende Rolle von Biomarkern in der
epidemiologischen Forschung und der Etablierung von epidemiologischen Studien
von genetischen Faktoren. Des weiteren müssen Risikofaktoren erkannt und eliminiert
werden können, damit zukünftig die Inzidenz verschiedener Krebserkrankungen
günstig beeinflusst werden kann.