Glossar
Epidemiologie:
Ursprünglich Seuchenkunde;
Lehre von der Erkennung, Verhütung bzw. Bekämpfung übertragbarer/ansteckender
Erkrankungen.
"Untersuchung der Verteilung und der Determination
gesundheitsbezogener Zustände oder Ereignisse in bestimmten Populationen und
Anwendungen dieser Untersuchung bei der Bewältigung von
Gesundheitsproblemen..." (LAST, 1988).
Epidemie:
griechisch: epi=über ;
demas=Menschen, Bevölkerung
"wie eine Epidemie"; auch im täglichen
Sprachgebrauch wird das Wort für Störungen oder Auffälligkeiten gebraucht, die
überdurchschnittlich oft innerhalb eines beobachteten Zeitraumes oder innerhalb
einer Gemeinschaft beobachtet werden.
Gesundheit und Krankheit:
Die WHO
(Welt-Gesundheits-Organisation) definiert Gesundheit 1948 als Idealvorstellung:
"Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und
sozialen Wohlbefindens und nicht allein als das Fehlen von Krankheiten und
Gebrechen."
Die Epidemiologie benötigt jedoch Kriterien, die leicht zu
messen sind. Wohlbefinden als solches ist schwer messbar. Diagnostische
Merkmale basieren auf Krankheitssymptomen und Testergebnissen. Der Gesundheitszustand,
d.h. "Krankheit vorhanden" oder eben "Krankheit nicht
vorhanden" muss messbar sein.
Begriffe wie "normal" und "abnormal"
müssen definiert sein. Anders als bei vielen anderen Erkrankungen scheint die
Frage "Krebs ja, oder Krebs nein" - oberflächlich betrachtet -
einfacher zu beantworten zu sein. Schwieriger und von immenser
gesundheitspolitischer Bedeutung - ist das Erkennen von Krebsvorstufen und von
krebsauslösenden Risikofaktoren. Und genau hierin liegt auch ein wichtiger
Teilaspekt der Aufgabengebiete eines Krebsregisters
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Hygieia: griech. Göttin und
Personifikation der Gesundheit, als Tochter oder Gemahlin mit dem Halbgott
Äskulap verbunden. Wird als jugentliche Frau mit Diadem dargestellt. Eine
Studie (um 370 v. Chr.) aus dem Asklepieion von Epidauros befindet sich im
Athener Nationalmuseum |
Risikopopulation:
Die Masszahlen für
Krankheitshäufigkeit basieren auf Prävalenz und Inzidenz. Die Begriffdefinition
ist aber teilweise uneinheitlich. Masszahlen können nur korrekt berechnet
werden, wenn die Anzahl der betroffenen Personen richtig geschätzt wird.
Inzidenz:
= Anzahl Neuerkrankungen unter
einer eingegrenzten Bevölkerungsgruppe in einer bestimmten Zeit.
Personen die pro Zeiteinheit erkranken
Inzidenzrate =
--------------------------------------------- x
10n
Zeitsumme
einer Gefährdung der Population
Prävalenz:
= Anzahl Krankheitsfälle in der
Bevölkerungsgruppe zu einer bestimmten Zeit.
Personenanzahl mit Krankheit pro Zeit
Prävalenzrate =
------------------------------------------------- x 10n
Anzahl Personen
in Risikopopulationen
Letalität:
Entspricht einem Mass für den
Schweregrad einer Erkrankung. Sie bestimmt die Zahl der durch die Krankheit
bedingten Todesfälle in einem begrenzten Zeitraum; und wird in % zur Anzahl der
gesamthaft innerhalb dieses Zeitraumes diagnostizierten Krankheitsfälle
ausgedrückt.
Morbidität:
Sterberaten sind bei
schwerwiegenden Erkrankungen oft sinnvoll. Gelegentlich sind Angaben zur
Krankheitshäufigkeit (=Morbidität) von grösserem Nutzen. Hierbei ist
insbesondere ein Vergleich der Häufigkeit in zwei (oder mehr) Gruppen mit
unterschiedlicher Exposition relevant.
Todesfälle und Todesursachen werden i.d.R. auf standartisierten
Todesursachenbescheinigungen festgehalten. Zusammen mit relevanten
Personaldaten werden diese Informationen vom Bundesamt für Statistik (www.statistik.admin.ch)
bereitgestellt. Hieraus lassen sich wertvolle Informationen über Tendenzen und
Entwicklung des Gesundheitzustandes einer Population ablesen. Die
Verlässlichkeit der Angaben zum Grundleiden eines Todesfalles hängt u.a. auch
davon ab, ob eine Autopsie durchgeführt werden konnte oder nicht. Somit kann
anlässlich einer Autopsie nicht nur die Erkrankung eines Individiums
aufgearbeitet werden (zum Teil im Sinne einer Therapiekontrolle), es ergeben
sich auch wichtige epidemiologische Informationen, die einer ganzen
Bevölkerungsgruppe zugute kommen können.
Todesursachen(statistiken) werden mittels internationaler
Klassifikationsverfahren verschlüsselt (International statistical
classification of diseases and related health problems, ICD, WHO 1992b). Dieses
Werk wird regelmässig überarbeitet und adaptiert.
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beobachtende Studien |
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untersuchen: |
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deskriptive Studien |
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analytische Studien |
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ökologische Studien |
= Korrelationsstudien |
Populationen |
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Querschnittstudien |
= Prävalenzstudien |
Individuen |
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Fall-Kontroll-Studien |
= fallbezogene Studien |
Individuen |
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Kohortenstudien |
= Follow-up-Studien |
Individuen |
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experimentelle Studien |
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randomisierte kontrollierte Studien |
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Patienten |
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Felduntersuchungen |
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gesunde Menschen |
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Gruppenuntersuchungen |
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Bevölkerungsgruppen |
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Interventionsstudien |
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klinische Untersuchungen |
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Patienten |
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Gruppeninterventionsstudien |
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Bevölkerungsgruppen |
Kohortenstudien zB. liefern gute Resultate über
Krankheitsursachen. Das Risiko einer Erkrankung ist relativ direkt messbar. Sie
bieten sich an, seltene Krankheitsursachen, multiple Wirkungen, zeitliche
Beziehungen und die Inzidenz zu messen.
Krebsdiagnose:
Neben klinischer Untersuchung und bildgegebenen
Verfahren hilft insbesondere eine chirurgische Gewebeentnahme, eine Punktion
oder das Sammeln abgeschilferter Zellen aus Körperflüssigkeiten mit
nachfolgender zytologischer oder histologischer Untersuchung die Krebsdiagnose
zu stellen. (siehe auch zytologische Screeninguntersuchung und Untersuchung der
Brust-Senologie- in den entsprechenden Rubriken).
Immer mehr kommen auch molekularbiologische und
genetische Untersuchungen zum Einsatz. Immunhistochemische Untersuchungen helfen
einen Krebstyp exakt zu definieren, können aber auch bereits Therapieoptionen
festlegen. Zum Beispiel bei Lymphomen (CD20) oder beim Brustkrebs durch den
Nachweis von Hormonrezeptoren. Der interessierte Leser findet Informationen
unter http://www.uknequasice.ucl.ac.uk/
Die Stadieneinteilung von Krebserkrankungen ist
durch das TNM-System international standartisiert. Dieses wurde durch die
Internacional Agency for Research on Cancer (AJCC) entwickelt. Für jeden
Tumortyp wurden diese 3 Variablen entwickelt, wobei T für den Primärtumor, bzw.
dessen Grösse, N für allfällige Lymphknotenableger und M für Fernmetastasen
stehen.
Zusätzlich zum TNM-System existieren spezielle "tumortypische"
Klassifizierungen wie das Dukes System für Krebserkrankungen des Dickdarms, das
Columbia System für Brustkrebserkrankungen und das FIGO System für
gynäkologische Krebsgeschwülste.
(siehe auch unter http://www.uicc.org/).
beinhaltet:
Krebsinzidenz und -prävalenz: werden regelmässig
durch die Schweizer Krebsregister erfasst und publiziert; www.vskr.ch
Neoplasma = "neues Wachstum"
Gewebemasse mit unkoordiniertem Wachstum. Verlust der biologischen
Wachstumskontrolle.
·
Stimuli, die neoplastische Veränderungen
hervorrufen bleiben oft permanent und werden bei der Zellteilung an
"Tochterzellen" weitervererbt.
·
die normale Gewebearchitektur mit spezifischen
Zellverbindungen ist gestört bzw. vollständig aufgehoben; angrenzendes Gewebe
wird durch den Krebs zerstört
·
Krebsentstehung (=neoplastische Transformation)
meist über Vor- oder Zwischenstufen ausgebildet (vgl. Abb.) am Beispiel des
Plattenepithels der Cervix/Portio der Gebärmutter.
Der Grad der "Differenzierung"
wird durch die Begriffe Anaplasie und Pleomorphismus geprägt,
wobei letzterer Variation von Zell- und Kernform und -grösse umschreibt.
Ein Verlust der Differenzierung geht oft
mit einem Verlust der Zell- bzw. Gewebefunktion und einem primitiven
Erscheinungsbild einher.
Gutartige und bösartige Neoplasmen/Tumore
Gutartige Geschwülste lassen sich aufgrund
morphologischer Charakteristika (ihrem Erscheinungsbild) gegenüber bösartigen
Krebsen abgrenzen, wobei neben der Zell- und Gewebeform auch das Verhalten zum
angrenzenden, gesunden Gewebe zu tragen kommt. Zu beachten ist, dass auch
morphologisch gutartige Tumore auf Grund von Verdrängungsmechanismen sich
klinisch "maligne, d.h. bösartig" verhalten können. Durch Druck auf
gesundes Gewebe wird dieses zerstört (z.B. bei Hirntumoren).
Metastasierung ist grundsätzlich ein
Zeichen von biologisch bösartigem Verhalten. Sie entspricht einer systemischen
Tumorausbreitung mit Ausbildung sog. "Tochtergeschwülste"
(=Metastasen).
Die Tabelle gibt einen Überblick über
einige wichtige Entscheidungskriterien zwischen gutartigen und bösartigen
Tumoren.
|
Kriterien |
gutartig
/ benigne |
bösartig
/ maligne |
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Aufbau |
ähnlich wie Urspungsgewebe |
desorganisiert und nicht typisch für das
Ursprungsgewebe |
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Differenzierung |
gut/hoch |
Zunehmender Verlust der Differenzierung |
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Wachstum |
Verdrängend (Tumorkapsel) |
Infiltration/Destruktion |
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Metastasen |
nein |
ja |
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Zellteilungsfrequenz |
niedrig |
hoch |
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Prognose |
i.d.R. gut |
ohne Therapie i.d.R. fatal |